Quito, 3.12.2000-3.1.2001

Am 3.12. kamen wir endlich - nach zwei heissen Wochen auf Curacao -  nach einer kurzen Zwischenlandung in Guayaquil in Quito an und der Empfang, den uns Petrus bereitete war herrlich! Nach dem tollkuehnen Landeanflug vorbei an den Bergen und Vulkanen landeten wir unter fast tosendem Applaus kurz vor Neun in Quito. Es war ca. 23 Grad, blauer Himmel und dies war das Paradies nach zwei Wochen Hitze und Schwuele.
Norbert, Chef der Sprachschule, holte uns in seinem 29 Jahre alten Jeep ab und brachte uns in die jeweiligen Familien, in denen wir die naechsten Wochen wohnen sollten.
Ich kam zu Gladys, Lilien und Eduardo. Waehrend Gladys, die Mutter, und Lilien, Ihre Tochter, den Haushalt warfen, verdingte Eduardo das Einkommen als Chef einer Import/Exportfima am Flughafen. Das Haus, im (besseren) Norden der Stadt gelegen war sehr sauber und auch ueber mein Zimmer bestand ueberhaupt kein Grund zur Klage. Ausgestattet mit zwei Betten, TV und einem eigenen "Ankleideraum" (in dem ein weiteres Bett stand) war ich aeusserst zufrieden uber meinen Wohnraum. Auch die Familie schien nett zu sein und so war meine erste Nevositaet bereits etwas verflogen. Man weis ja schliesslich nie, wo man landet...
Mit dem Spanisch klappte es am ersten Abend eher sporadisch, doch so ein bisschen bekam ich nach den Vorkenntnissen von VHS, ASG und Kursen bei HP schon hin.
Freundlicherweise brachte mich Senor Pazmino gleich am ersten Tag mit seinem betagten, babyblauen Pickup Truck zur Schule und ich war nicht schlecht erstaunt, dort nur deutschsprachige Schueler aus der Schweiz, Oesterreich und eben Deutschland vorzufinden.
Das machte aber zumindest die Kommunikation einfacher und innerhalb weniger Tage kannten wir die meisten der ca. 35 Sprachschueler.
Sicher halfen dazu auch die Feiern zu Quito, die bis zum 6.12. andauern sollten.
Am zweiten Morgen kam unsere Professora mit dem Vorschlag in den Unterricht, gleich einen Umzug zu besuchen - was wir natuerlich alle gern annahmen!
Aehnlich wie bei uns zu Karneval, liefen Tanz- Musik und Artistengruppen bunt gekleidet uber die "Amazonas" und schwangen Ihre farbenfrohen Fahnen. Auch ein Zirkus war dabei und der Baerendompteur versuchte tatsaechlich einem armen Baeren das Motorradfahren beizubringen - was allgemein mit Buhrufen quittiert wurde!

Auch in der Schule fand am abend zum 6.12. eine kleine Feier zu Ehren von Quito statt, dies sollte aber lediglich die Vorstufe zu den echten Feiern auf den Strassen sein. Tatsachlich gingen wir dann mit einer ganzen Meute ab 21.00 Uhr in die Stadt und vergnuegten uns mit den Einheimischen zusammen an Salsa, Merenge und den seltsamen Rythmen der Nationalmusik, welche die ganze Zeit auf den Chivas gespielt wird. Chivas? Das sind die bunt bemalten LKW, auf denen 40-50 Leute dicht gedrangt tanzen und huepfen und dabei eben dieser recht einfachen Chiva Musik froenen.  Aber irgendwann hat das Feiern auch mal ein Ende und der Allteg an der Schule holte uns schnell wieder ein.

In den naechsten Tagen haben wir fleissig Spanisch gelernt und hatten im Unterricht viel zu lachen - besonders mit den beiden Stewardessen, die wir mit unseren indiskreten Fragen auf Spanisch gern ins Stocken brachten! Gruss an Tanja und Baerbel an dieser Stelle!
Wir sind dann abends oft in die Strasse Juan Lean Mera getigert, um dort in touristischen Kneipen und Bars ein wenig Entspannung zu finden. An einer Stelle findet man bestimmt 20 Internetcafes wo sich die buntesten Weltenbumler aus aller Herren Laender finden. Ohne Rastalocken, Bartikklamotten oder wenigstens Birkenstock outfit faellt man dort auf wie ein Hippie auf der Koenigsallee! Aber was solls...

Der Tagesablauf in diesen Wochen war immer recht aehnlich. Morgens um 6.30 Uhr aufstehen, das Wasser fuer die Dusche erhitzen, Fruehstueck und Chat mit Lily, und um 7.30 Uhr aus dem Haus. Dann 15min zum Bus laufen (meist mit Sonne!) und die 12 Cents fuer die Busfahrt zum Flughafen zahlen. Die Busse halten hier an jeder Ecke, man muss nur winken - das ist praktisch! Vom Airport dann 15min den Berg hinauf (aechz!) und um 8.00 Uhr ging der Unterricht los. Bis 12 gabs eine Pause von 20 min, dann war Mittag. Um 13.00 Uhr gings weiter mit Konversation (oder was man mit den paar Brocken Spanisch halt so machen kann) und Ende war um 15.00 Uhr. Dann die ganze Lauferei zurueck nach Hause und es gab gegen vier Abendessen. Es gab IMMER Suppe und IMMER Reis, die Beilagen variieren aber hin und wieder. Wer keine Suppe und Reis mag, darf nicht nach Equador kommen! Ja, soweit zum Tagesablauf.

Spannender waren natuerlich die Wochenenden, die von Willy, dem Schweizer, mit Touren in alle Richtung organisiert wurden.
Dem ersten Wochenende im Oriente  (siehe ausfuerlicher Text) folgte das zweite Wochenende in Otavalo.
Otavalo ist an sich eine kleine, nichtsagende Stadt zwei Stunden (=1 Dollar!) mit dem Reisebus entfernt. Im Hostal Chimenea sind wir von Roberto, dem Gastgeber, mit einem Kaffee herzlich empfangen worden und bekamen in Doppel- oder Dreierzimer fuer 2 Dollar ein sauberes Bett und eine heisse Dusche. Nun gut, die Minibar fehlte, aber wer braucht das schon?
Der eigentliche Grund fuer Otavala war naemlich der Markt! War die Stadt am Freitag abend noch unansehlich, kalt, nass und dreckig, so erbluehte sie am Samstag morgen zu einem rauschenden Fest der Farben!

Nachdem wir um 6.30 Uhr eine halbe Stunde ueber den Viehmarkt geschlendert sind - es gab ausser stinkenden Schweinen, Kuehen und Huehnern nicht allzuviel zu sehen - machten wir uns auf den Weg zum grossen Markt der Stadt. In fast allen Strassen  entstanden ueber Nacht  ganze Zuege von teils ueberdachten Staenden mit allem, was sich der Tourist so wuenschen kann.
Pullover, Schals, Muetzen, Handschuhe, T-Shirts, Puppen, Spielzeuge, Regenmacher, Bilder, Teppiche, Schmuck, Ruecksacke, Decken aber auch Haushaltsgeraete, Fruechte, Gewuerze, Fisch - wirklich alles ist hier erhaeltich! Und das zu Preisen, die fast unwirklich klingen! Alpaca Pullover fuer 6 Dollar, Handschuhe fuer zwei - keiner von uns ist ohne volle Tasche wieder nach Hause gegangen! Ich habe mir einen wegen der Kaelte dringend benoetigten Pullover und Handschuhe gekauft, leider lies es mein Rucksack nicht zu, ganze Berge mitzunehmen!
Dass ich den Pullover vielleicht ein paar Tage zu spaet gekauft habe, merkte ich dann am Sonntag.
Ein Ausflug zu den heissen Quellen von Papajacta, ansonsten sehr empfehlenswert, machten diesen Trip schon ein wenig zur Qual. Erst ging es mir noch einigermassen gut, doch am Sonntag abend merkte ich dann deutlich, dass es mich erwicht hatte.
Die dann folgenden vier Tage sind schnell erzaehlt - ich lag mehr oder weniger im Bett und quaelte mich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen herum. Auch noch heute, eine Woche spaeter, fuehle ich mich ein wenig schlapp, doch es wird von Tag zu Tag besser. Ich habe jetzt auch immer meinen Pullover an...
Heute sitze ich also wieder mal im Cafe Sutra, es ist Heilig abend und die Sonne scheint bei 23 Grad. Soweit weg von Zuhause scheint auch  Weihnachten unendlich entfernt zu sein und so macht es mir auch nicht viel aus, wenn ich nicht an einer Weihnachtsfeier teilnehme, deren Mitglieder ich nicht oder nur fluchtig kenne. So feiern Mike und ich heute gemeinsam und freuen uns auf das naechste Jahr, wenn es wieder ein richtiges Weihnachten gibt - so mit Regen, Kaelte und Wind!

Bilder zu Quito gibt es HIER!

Hier ist die Adresse der Schule:
LECTOR-ACADEMIA DE QUITO
RES: 126-DINEPP
Telf.& Fax 00593-2-432195
0r 00593-2-500214
Internet: lectorac@pi.pro.ec
Visit the Lector-Academia de Quito
at   www2.ecua.net.ec/lector
 
 

Cafe Sutra, 24.12.2000, 14.45 Uhr